------------ drugster.com ------------ ************************************************** Leitfaden zum Überleben einer globalen Katastrophe von Nico Röhr, November 2005 ************************************************** Wer in seiner Freizeit fleißig ins Kino geht oder permanent Videos guckt, braucht diesen Leitfaden wahrscheinlich nicht. Ich habe mich nämlich bei der Erstellung dieser Überlebensfibel für den Fall einer globalen Superkatastrophe an die Survivalstrategien des Helden Tom Cruise aus dem Spielfilm "Krieg der Welten" orientiert. Aber es haben mich auch Survivalstrategien aus anderen Katastrophenfilmen beeinflusst. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 1:+ ++++++++++++++++++++ -> Stehenbleiben Jede große Katastrophe beginnt in der Regel mit einer sich allmählich steigernden Bedrohung, z.B. einem unerklärlichen Temperaturabfall von 30 Grad in 2 Stunden, einem Megagewitter mit 10 Blitzen pro Quadratmeter oder einem 20 km großen Alienschiff, das sich vor der erstaunten Menge auftürmt. Natürlich lösen diese Alarmzeichen bei der Bevölkerung keinerlei Beunruhigung aus. Man hat Angst vor dem Ozonloch, Funkwellen und Osama Bin Laden - aber eindeutige Vorzeichen einer gegenwärtigen Bedrohung sind nicht interessant genug, um sich irgendwelche Sorgen zu machen. Irgendwann ist es dann soweit und auch der letzte Idiot begreift, dass "hier und jetzt" ein gigantisches Massensterben beginnt. Ein unerfahrener Katastrophenteilnehmer ergreift nun umgehend die Flucht. FALSCH! Denn er wird auf jeden Fall grausam sterben. Der Held hingegen bleibt immer noch stehen. Er bleibt stehen und glotzt die Katastrophe an, wie ein Kaninchen die sich ihm nähernden Autoscheinwerfer anglotzt. Regungslos, oft mit leicht geöffneten Lippen. Auch wenn es eigentlich klar ist, dass man, wenn man dort verweilt, in den nächsten Sekunden seinem Schöpfer gegenübertritt, bewegt sich der Held kein Stück. Er wartet. Er wartet, bis die Hölle direkt über ihn hereinbricht, bis es quasi kein Entrinnen mehr gibt. Dann erst setzt er sich in Bewegung und rennt als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Wäre er rechtzeititg vorher losgelaufen, hätte auch ein lockeres Joggertempo gereicht - aber das hätte den sicheren Tod bedeutet. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 2:+ ++++++++++++++++++++ -> Andere aufhalten Es ist für den Helden sehr wichtig, dass er wegrennende Menschen aufhält. Man reißt sie am Kragen und bringt sie zum Anhalten, um dann so sinnvolle Fragen zu stellen wie "Was ist hier los?". Was los ist? Sie werden sterben, weil du sie an der Flucht hinderst. Aber als Held ist dir das egal, denn du überlebst auf jeden Fall. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 3:+ ++++++++++++++++++++ -> Rücksicht nehmen Bei der Flucht sollte man unbedingt auf jeden dahergelaufenen Idioten und seine speziellen Gefühle Rücksicht nehmen. Auch wenn hinter dem Helden ein Raumschiff die ganze Stadt in Schutt und Asche legt, es bleibt immer noch Zeit für einen ausgiebigen Plausch mit dem Nachbarn oder einer hysterischen Frau, die man zu beruhigen versucht - während nebenan die Autobahnbrücke von einem Ufo gesprengt wird. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 4:+ ++++++++++++++++++++ -> Ressourcen verschwenden Es ist eine globale Katasptrophe eingetreten, die die gesamte menschliche Zivilisation ausgelöscht hat - mithin auch alle Versorgungssysteme. Nun haben es Helden so an sich, dass sie meistens die einzigen sind, die noch über ein funktionierendes Fahrzeug verfügen. Das letzte funktionierende Fahrzeug in der ganzen Umgebung, vielleicht im ganzen Land, und einen Tank voll Sprit. Da ist es nur vernünftig, immer mit Vollgas durch die Gegend zu brettern und beim Fahren fortwährend nach hinten zu schauen. Wozu sich Sorgen machen, dass bei einem Zusammenstoß etwas kaputtginge, oder gar spritsparend fahren? Wird schon gutgehen. Bei jeder Zwangspause, die man irgendwo einlegt, sollte man auch unbedingt vermeiden, die nähere Umgebung nach Proviant, Waffen, Kleidung und Sprit zu durchsuchen. Vorräte immer nur verbrauchen, aber niemals auffrischen. Die Verweilzeit kann viel besser mit langen Gesprächen über allgemeine Familienprobleme genutzt werden. Gut, man könnte natürlich auch während der Fahrt darüber reden, aber das verdirbt bekanntlich die Stimmung. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 5:+ ++++++++++++++++++++ -> Auf hysterische Verwandte und Partner eingehen Auch wenn die Auslöschung der gesamten Familie auf dem Spiel steht, wenn man den Gefahrenort nicht innerhalb von einer Minute verlässt: Es ist immer Zeit, noch mit der rebellischen kleinen Tochter zu argumentieren oder der hysterischen Lebenspartnerin hinterherzulaufen. Der Held darf seinen Anvertrauten niemals einfach kräftig eine scheuern und sie dann ins Auto verladen. Nein, er muss unterwürfig verhandeln und Kompromisse suchen - innerhalb von 30 Sekunden. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 6:+ ++++++++++++++++++++ -> Unfähige Leute aufsammeln Bei der Auswahl der Menschen, die ihm beim harten und erbarmungslosen Überlebenskampf zur Seite stehen sollen, darf ein Held nicht zimperlich sein. Deswegen dürfen auch nur die seelisch instabilsten, unfähigsten, dümmsten und dreistesten Versager mit. Menschen also, die bei einer akuten Gefahr durch ihr vollkommen idiotisches Fehlverhalten das Leben der gesamten Gruppe riskieren. Familienmitglieder stehen bei sowas immer hoch im Kurs. Leute, denen man noch nicht einmal Weihnachten eine Karte schickt und die einem im Alltag 100%ig am Arsch vorbeigehen. Wenn es um die Wurst geht, möchte man sie alle um sich haben. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 7:+ ++++++++++++++++++++ -> Zwielichten Fremden trauen Fremden Personen, denen man auf seiner Irrfahrt begegnet, sollte man ruhig vertrauen, wenn sie offensichtlich völlig verrückt sind und quasi nur aus triebgesteuerten Impulsivhandlungen bestehen. Vorbehaltlos sollte man sie in die Gruppe eingliedern und ihnen auch ohne zu zögern das Leben der eigenen Kinder anvertrauen. Das irre Lachen und die wirren Geschichten von Blut und Zerstörung sind das Zeichen für einen gefestigten Charakter, auf den man in jeder schwierigen Situation bauen kann. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 8:+ ++++++++++++++++++++ -> Ballungsgebiete aufsuchen Wenn die gesamte Zivilisation zusammenbricht und alle Menschen in Angst, Chaos, Hunger und Leid leben - dann ist die Zeit gekommen, mitten in ein von der Katastrophe schwer mitgenommenes Ballungsgebiet zu fahren. Man hat ein funktionierendes Fahrzeug, man hat Proviant, man ist gesund... also warum nicht einen Abstecher mitten in ein Stadtzentrum machen, in dem die chaotischen Menschenmassen in von Trümmern verstopften Straßen um das blanke Überleben kämpfen. Der Held sollte ruhig mitten in eine solche Ansammlung fahren und dort anhalten. Der Rest ergibt sich dann von selbst. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 9:+ ++++++++++++++++++++ -> Aufteilen In Zeiten, in denen der Einzelne schnell das Opfer der widrigen Umstände werden kann, entscheidet der Held sich meistens dafür, die Gruppe aufzuteilen. Dies ist wichtig, weil der Held sonst keine riskanten Rettungsaktionen starten könnte - wenn mal wieder einer der kopflosen Deppen aus der Gruppe sehenden Auges in eine simple Falle getappt ist, auf die noch nicht einmal ein lobotomisierter Feldhamster hereinfallen würde (Stichwort: Selbstmord durch Dummheit). ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 10:+ ++++++++++++++++++++ ->Feuersurfen Droht irgendwo in der Nähe offensichtlich eine große Explosion, bringt sich der Held nicht sofort in Sicherheit. Nein, er bleibt ruhig und aufrecht stehen und betrachtet die sich gleich in Millionen von tödlichen Kleingeschossen auflösende Tankstelle/den brennenden Tanklaster/etc. Erst wenn die Megaexplosion erfolgt, springt der Held in weitem Bogen in Deckung und surft dabei vor der brennenden Druckwelle her. Geplatzte Lungenflügel, Verbrennungen dritten Grades, tödliche Schnittverletzungen durch umherfliegende Glassplitter oder auch nur versengte Haare kennen Helden nicht. ++++++++++++++++++++ + Survival-Tipp 11:+ ++++++++++++++++++++ -> Hund retten In quasi jedem Katastrophenfilm gibt es einen Hund, der von dem Helden bzw. der Heldin gerettet wird. Hunde sind nämlich zu blöd um eine sich nähernde 100-Meter-Flutwelle, eine Riesenfeuer-Druckwelle oder ein 1000 Meter großes, mit ohrenbetäubendem Krachen Todesstrahlen verschießendes Ufo als Bedrohung wahrzunehmen. Zuhause laufen sie schon vor dem Staubsauger weg, aber in der freien Natur stehen die Flohbiotope doof rum und warten geduldig auf ihr Ende - bis Herrchen bzw. Frauchen sie ruft. ************************************************ So, ich hoffe, Ihr seid nun bestens gerüstet, falls Euch eine globale Katastrophe heimsuchen sollte. Verhaltet Euch wie die Helden in den Spielfilmen, und es wird garantiert ein Happy End geben. Für wen auch immer. Nico Röhr www.drugster.com